Grundwissen/Eckdaten Substanzaufbau Verschwundenes
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- 1920er Jahre -
Dieses Bild aus den 1920er Jahren zeigt zwei verschiedene Handwerkerzünfte vor einer rappelvollen, als Tribüne genutzten Straßenbahn.
Die Gilde-Reiterei im Jahr 1925 - ein Traum! Wie auch beim vorherigen Bild befinden wir uns am Kröpcke; rechts geht die Bahnhofstraße ab.
Achtung, diese beiden Aufnahmen stammen nun nicht vom Schützenausmarsch, sondern von einem „Sportwerbetag“ im September 1925, doch helfen sie durchaus den Einblick zu vertiefen. Zu sehen sind jeweils Sportler von Hannover 96 auf der Rathenaustraße beim Abzweig Luisenstraße, wo damals manchmal auch die Schützen entlangzogen.

1927 änderte sich die Zuganzahl von drei auf vier. Hier trägt der Bruchmeister die zusätzliche weiße Fahne für den 1. Zug durch`s Bild. Ihre Stifterin, die „Nordstädter Schützengesellschaft v. 1893“, darf dahinter den Reigen eröffnen.

Schauplatz dieser 1927er Bilderserie ist übrigens der Holzmarkt. Von der Burg­straße herkommend biegt der Zug in die Schloßstraße ein. Am rechten Bildrand stürmen gerade zwei Jungs los, um ihren mitmarschierenden Vätern Sträußchen zuzustecken. Wenige Augenblicke darauf werden die Herren die Leineinsel überschreiten, um als nächstes erstmal die Calenberger Neustadt zu rocken.




- 1930er Jahre -
1933 blickt die Führungsgruppe des 2. Zugs, bestehend aus Schützenfunktionären, Blumenträgern, Bruchmeister mit der roten Fahne und Schildträger des HJK 78 geschlossen in die Kamera. Man befindet sich vor dem Neuen Rathaus an der Ecke beim Kestner-Museum. Die Säbel sind bemerkenswert, ansonsten wird das darunter folgende Photo einen besseren Eindruck von der Aufstellung vermitteln.
Es sind nicht nur die Grünflächen und die mit alten Stadtplänen vereinbare Straßenbucht, die für die Zielgerade „Am Waterlooplatze“ (jetzt: Bruchmeister­allee) sprechen. Auch die vergleichsweise geringe Zuschauerdichte paßt gut dazu, denn hier wäre erstens die Entfernung zum Stadtkern am größten, zweitens die Uhrzeit so weit fortgeschritten, daß manch Berufstätiger schon zum Arbeitsplatz eilen mußte. Des Weiteren stünde die linke Tafel zu aggressiv zur Straße, enthielte sie nicht letzte Hinweise zu etwas unmittelbar Benachbartem. Und wenn die Zugteilnehmer auch noch schnurstracks auf uns zulaufen, kann das doch letztlich nur bedeuten: Wir schauen vom Nordtor des alten Schützenplatzes herab!
Nur halb läßt sich dieses Photo von 1934 erklären. Es scheint schon vom richtigen Schützenausmarsch zu stammen, nicht von einem Vorgang drumherum. Bei den Herren kann es sich nur um das „Schützenkollegium“ (= Organisationskomitee) handeln, welches allerdings sieben Köpfe plus einer Anzahl untergeordneter Helfer umfaßte. Vor allem gingen sie beim Umzug eigentlich nie als gemeinsamer Block; auch die Zugaufstellung jenes Jahres sah das nicht vor. Wie auch immer, der Anblick überzeugt vollauf. Hinter ein paar Trommlern könnte man sich das wirklich gut als Zugspitze vorstellen.
Kaum daß die NS-Zeit begonnen, erlitten die meisten Schützenvereine ihr Verbot und den Zwangsanschluß als Abteilung an einen der wenigen noch geduldeten. Die Fahnen der aufgelösten Vereine durften 1934 nur im Pulk gezeigt werden. Jedoch bereuten und widerriefen die Machthaber diesen Umgang alsbald.
Geschmückte Straßen, jubelnde Anwohner an den Fenstern bis in die obersten Stockwerke - so war das früher in der unzerstörten Altstadt. Die Aufnahme stammt zwar wahrscheinlich aus den 1950er Jahren, vermittelt aber besser die Atmosphäre vorheriger Jahrzehnte. In der Kramerstraße als einziger beidseitig hergerichteter Gasse lebte sie bis 1973 noch fort:
Die „Schützengesellschaft Ernst-August“ beim Rangieren auf dem Festplatz im Jahr 1935. Zum vorletzten Mal ist es noch der alte, grasbewachsene.
1938 enthält der Zug noch immer keine weiblichen Schützen oder Musiker. Umso stärker sind die Frauen am Streckenrand vertreten. Im Moment läßt man hier vermutlich die Schützengesellschaft Linden v. 1904 und ihre begleitenden Musikzüge vorbeimarschieren. Im Hintergrund lugt derweil das ursprüngliche
Cafe Kröpcke durch die Bäume.
Erst im weiteren Verlauf kam der Zug am Neuen Rathaus vorbei. Diese zur USG 37 gehörenden Schützen marschieren gerade unmittelbar daran entlang (rechts ist das Rathaus zu denken, links der Trammplatz; das Bauamtsgebäude geradeaus wurde zerstört). Heute führt die Strecke in entgegengesetzter Richtung um den Laternenpfahl herum.

Ein Blick aus dem Zug heraus auf die Front des Neuen Rathauses im Jahr 1938. Die Schützen von Linden 04 befinden sich auf Höhe des Eingangsportals.