Grundwissen/Eckdaten Substanzaufbau Verschwundenes
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- KLEINE FUNDSTÜCKE -
Das Haupttor zum Schützenplatz in den mittleren Jahrzehnten des 20. Jahr­hunderts. Gemessen am allgemeinen Monumentalitätssinn jener Zeiten fiel es ungewöhnlich bescheiden aus. Die Tafel muß in den Schützenfarben Grün-Weiß gehalten gewesen sein, da sich der Farbton beim Sachsenroß ändert, und dafür kommt ja nur Rot in Frage.
Bereits 1794 hatte der Schützenausmarsch soviel Tradition angehäuft, daß er zur identitätsstiftenden Eigenart Hannovers geworden war. Im Zusammenhang mit den Überlegungen zum Bau eines neues Schützenhauses betonte damals der Stadtkämmerer:
„Insonderheit den mit fliegender Fahne und klingendem Spiele öffentlichen Aus- und Einzug im Johannis-Schießen, sammt Schlagung des General-Marsches zum feyerlichen Aufbruche der Schützen an jedem Morgen durch die ganze Altstadt, halte ich für ein nützlich aufzubewahrendes Überbleibsel von jener alten Verfaßung, da die Stadt gegen auswärtige Feinde sich selbst beschützen mußte, und daß noch, wie seit länger als sechs Jahrhunderten geschehen, an denen Schützen-Tagen die hölzerne Fahne zur Einladung der Fremden auf öffentlichem Markte ausgestecket wird.“
Wie alle paar Jahre beteiligte sich der Zoo Hannover 1976 mit einem Festwagen. Da man gerade eine per Flasche aufgezogene Braunbärin im putzigsten Alter von fünfeinhalb Monaten im Bestand hatte, sollte sie in einem fahrbaren Käfig zum Star des Tages werden. Das Bild zeigt „Newa“ kurz davor oder danach im Zoogehege. Ab Herbst verbrachte sie dann ihr ganzes weiteres Leben im Zoo Landau/Pfalz. Niemand konnte dort je ahnen, daß Newa mal als Teilnehmerin des größten Festumzugs Europas an Hunderttausenden von Zuschauern vorbei­gefahren war ...
Schon weit vor Erreichen des Kröpcke können die Zugteilnehmer auf das Magis-Gebäude schauen. Eine günstige Stelle also, hoch oben eine monu­mentale Grußbotschaft anzubringen, wie Anfang der 1960er Jahre:

Beschreibung des Doubliertritts in den Hannoverschen Militär-Anweisungen. Für das Kommando beim Schützenausmarsch schlich sich im 20. Jahrhundert über mehrere Jahrzehnte die falsche Nennung „Doublierschritt“ ein. 1979 wurde der Fehler bemerkt und wieder ausgemerzt.
Bis Mitte der 2010er Jahre brachte die Gilde-Brauerei neben ihren anderen Nummern auch noch ein besonders schönes Feuerwehrauto in den Schützenausmarsch ein. Wie hier zu hören, benahm dieses sich allerdings flegelhaft. Dann kam der Brauerei das gute Stück irgendwie abhanden, und ist seither verschollen.
Aus der Schützenordnung von 1877: „§13: Jeder Ausmarschirende, welcher gegen die Ordnung des Zuges während des Marsches verstößt, die vorstehenden Bestimmungen für den Ausmarsch nicht befolgt, oder im Zuge raucht, verfällt in eine Conventionalstrafe von 1 bis 6 Mark. Wer mit geladenem Gewehre marschirt, verfällt in eine solche von 100 Mark. Wer gar während des Marsches schießen sollte, wird um das Doppelte gestraft.“
Personifizierte „Hannovera“ in den 1950er/1960er Jahren. Wie großartig!
Startpunkt Brauergildehaus (Osterstraße) und Zielort Schützenhaus (Klagesmarkt) in Zeichnungen aus dem 17. Jahrhundert. Stadtbildprägend waren sie beide nicht.
Edelherber Festwagen kurz vorm „Vierkirchenblick“ auf dem Weg zur Kramerstraße:
Lieder und Gedichte über das Hannoversche Schützenfest wurden zahlreich verfaßt. Unter dem Titel „Schützenmontag“ huldigte ein Dichter 1928 auch mal speziell dem Schützenausmarsch:
// Hurra, jetzt könnt Ihr etwas seh`n / Auf allen Straßen Leute steh`n / Hannover scheint elektrisiert / Der Schützenzug kommt anmarschiert / Schon kommt er näher, seht - Hurra / Tsching bum trara, der Zug ist da // Und forsche Männer Reih` in Reih` / Zieh`n festen Schritts an uns vorbei / Die Joppen grün wie Wies` und Wald / Die Feder keck vom Hute wallt / Geschmückt mit Blumen ohne Zahl / Vergißt der Schütze Not und Qual // Denn Schützenmontag, müßt Ihr wissen / Nie möchte den ein Schütze missen / Es freut sich alles, Groß und Klein / Wie kann`s auch anders möglich sein / Wohin den Blick man schweifen läßt / Herrscht Fröhlichkeit zum Schützenfest // Und erst der tapf`re Paukenmann / Der haut d`rauf los, so fest er kann / Und mit den Fahnen bunt und schwer / Hannovers Schützen kommen her / Und viele Schlachtenbummler auch / Sind nachgeeilt nach altem Brauch // So geht es nun Straß` ein und aus / Bis daß man steht vor`m Schützenhaus / Und wenn das „Hoch“ im Rundteil klingt / Der Schütze seine Büchse schwingt / Da draußen geht`s in Saus und Braus / Doch ernsthaft ist`s im Schützen­haus / Denn wer den besten Schuß bringt an / Der wird geehrt als „Bester Mann“ //.

Von den Sammelbildern zum Festumzug des Bundesschießens 1903 war dies dasjenige mit dem „Wagen der Stadt Hannover“. Noch bewegender ist aber die Darstellung des Hintergrunds. Denn obwohl die Strecke oft an ihr vorbeiführte, tauchte bisher noch kein Photo vom Schützenausmarsch bei der Flußwasserkunst auf. Heutzutage kommt der Zug jedes Jahr auf der Karmarschstraße von rechts nach links unmittelbar am Standort des ehemaligen Bauwerks entlang, und biegt dann drum herum. Mutmaßlich wäre das der beliebteste Schauplatz überhaupt - hätte man die Flußwasserkunst nicht in den 1960er Jahren abgerissen.
    
Aus der Schützenordnung von 1710:
So sah das Nordtor des damaligen Schützenplatzes um 1900 von außen aus. Alle Schützen, Musiker, Reiter/Pferde und dann auch das Feiervolk zwängten sich da hindurch. Bei der Größeneinstufung täuscht man sich gewaltig; das Hannoversche Kleeblatt oben links dürfte aus einer Höhe von über 20m grüßen. Ganz so zerbrechlich, wie es den Anschein hat, wird das Tor also nicht gewesen sein. Zerlegbar war es aber schon, denn außerhalb der Schützenfest-Zeit stand es nicht.
1995 schwingen die Dirigenten des Städtischen Musikkorps` der Berufsfeuerwehr Hannover, eines chilenischen Polizei-Musikzugs, des Heeresmusikkorps` Hannover und eines englischen Militär-Musikzugs vor ihren vier Kapellen den Taktstock zum Auftaktmarsch „Alte Kameraden“. Der Herr links leitete übrigens nebenbei auch noch andere Blasorchester. Manchmal ging er beim Schützenausmarsch bis zu dreimal durch. Seine Kapellen mußten dann in den Vorzug, den 2. Zug und den 4. Zug gesetzt werden; dazwischen wechselte er im Auto die Uniformen ...
Mindestens ab 1951, und damit knapp vor dem Auftakt für die ersten Schützinnen, war der Zug zur Zierde an mehreren Stellen mit weißgekleideten Damen gespickt. In der Geschichte hatte es vorher noch nie weibliche Mitmarschierer gegeben. Aber das ist nichtmal der größte Kracher auf diesem 1952er Beweisphoto. Frauen in Hosen bedeuteten doch noch lange einen unvorstellbaren Bruch mit gesellschaft­lichen Normen !! So trat weltweit allenfalls eine Handvoll Künstlerinnen auf !!

Mit der Farbe Weiß könnte kurz nach dem 2.WK in der entsprechend aussehenden Innenstadt durchaus ein Statement verbunden gewesen sein. Aus anderen Zeiten wäre nämlich nicht bekannt, daß die Gilde-Reiterei so stark auf Schimmel setzte:
Zeitungsmeldung 1867:
Postkarte zum Schützenfest 1904 (im Hintergrund das Schützenhaus in der Ohe):